Forschung
Die kulturellen Politiken der Demokratie
Demokratie wird häufig als ein System von Regeln, Institutionen und Verfahren verstanden. Mit Blick auf Kämpfe um Gleichstellung und Fortschritt, untersuche ich Demokratie als symbolischer und ambivalenter Raum. Ich analysiere, die widersprüchlichen Bedeutungen, die Demokratie zugeschrieben werden. Dabei interessiere ich mich für die Gleichzeitigkeit reaktionärer und progressiver Mobilisierungen von Demokratie. Ich frage zum einen, wie Demokratie genutzt wird, um Gleichstellungs- und Gerechtigkeitspolitiken zu legitimieren und zum anderen, durch reaktionäre Mobilisierungen von Demokratie versucht wird, die gleichen Politiken anzufechten. Dabei untersuche ich die Sprache und Symbolik von Demokratie in progressive Bewegungen und dem Teil der Zivilgesellschaft, die Gerechtigkeit und Inklusion vorantreiben. Parallel dazu analysiere ich wie reaktionäre politische Projekte, die darauf abzielen antifeministischen, anti-LGBTIQ+ und rassistischen Agenden Vorschub zu leisten, Demokratie symbolisch nutzen.
Feministische und queere demokratische Praktiken
Aus einer queer-materialistischen Perspektive, die gelebte Erfahrungen ins Zentrum stellt, untersuche ich, wie feministische und queere Gemeinschaften sozialen Wandel imaginieren, Gemeinschaften aufbauen und Unterdrückung, Marginalisierung und normativen Fiktionen widerstehen. Mittels qualitativer und partizipativer Methoden habe ich eine Vielzahl demokratischer Praktiken untersucht, darunter alltägliche Transformationshandlungen und kollektive Widerstandsformen. Durch eine intersektionale Perspektive interessiere ich mich besonders dafür, wie Machtverhältnisse innerhalb feministischer und queerer Gegenöffentlichkeiten erlebt, ausgehandelt und angefochten werden. Darüber hinaus beschäftige ich mich mit feministischer und queerer Demokratietheorie und untersuche Konzepte wie politisches Begehren und Care-Ethik als analytische Werkzeuge zum Verständnis politischer Visionen und Mobilisierung.
Europäische Theorien zu Race und Rassismus
Die Grundlage meiner intersektionalen Theoriearbeit ist ein grundlegendes Interesse an europäischen Rassismusformationen. Durch die Linse der Race Critical Theory untersuche ich die spezifischen Geschichten und Formationen von Race und Rassismus in Europa. Der Nachkriegs-Antirassialismus hat dazu geführt, dass Race als analytische, wenn auch konstruierte, Kategorie in den Sozialwissenschaften abgelehnt wurde. Meine Arbeit ist Teil eines interdisziplinären Feldes, das diese Leerstellen adressiert. Ich habe zu zeitgenössischen Formen des Antirassialismus publiziert und Post-Rassialismus für den europäischen Kontext in meiner Monographie Race in Post-racial Europe theoretisiert. Darüber hinaus habe ich das Konzept der Post-Imaginaries entwickelt, um zu erfassen, wie Post-Rassialismus, Post-Feminismus und Post-Homophobie als miteinander verbundene Absicherungsstrategien funktionieren. Sie delegitimieren Antirassismus, Feminismus und queere Politik, indem sie durch Fortschritts- und Modernitätslogiken strukturell verankerte soziale Ungleichheiten negieren.